Die Handballfrauen des SV Glückauf Bleicherode beendeten ihre Saison zwar mit einer knappen 27:28 Niederlage gegen die HSG Erbstromtal-Eisenach, doch am Ende reichte es dennoch für Platz 1 in der Tabelle. Dank des direkten Vergleichs sicherten sich die Bleicheröderinnen den Staffelsieg: Das Hinspiel hatten sie deutlich mit 35:16 gewonnen, weshalb Eisenach im Rückspiel ein kleines Wunder benötigt hätte, um die Tordifferenz noch aufzuholen.
Schon vor dem Anpfiff war zu spüren, dass der 9. Mai ein besonderer Tag werden würde. Viele sprachen davon, dass die Mannschaft kurz davorstand, Vereinsgeschichte zu schreiben – und genau das sollte gelingen.
Dabei begann diese Erfolgsgeschichte alles andere als selbstverständlich. Im Jahr 2017 entschloss sich die Handballabteilung, wieder eine Frauenmannschaft ins Rennen zu schicken. Die Zweifel waren damals groß: Ein gemischter Kader aus erfahrenen Spielerinnen und jungen Talenten musste sich erst finden, sportliche Erfolge blieben zunächst aus.
Es folgten Jahre der Ernüchterung. Häufig bewegte sich die Mannschaft im unteren Drittel der Tabelle und spielte im Thüringer Handball keine bedeutende Rolle. Zwar gelangen immer wieder überraschende Siege gegen favorisierte Teams, doch die Rolle des Außenseiters ließ sich nur schwer ablegen.
Auch im Nachwuchsbereich waren die Jahre schwierig. Eigene Talente rückten nur selten nach. Eine Ausnahme war Leonie Juch, die einst aus der B-Jugend den Sprung in die Frauenmannschaft schaffte und inzwischen mit 39 Treffern zu den zehn besten Torschützinnen der Liga gehört. Umso erfreulicher war die Entwicklung der vergangenen Jahre: Die intensive Nachwuchsarbeit zahlte sich endlich aus. Mit Franziska Schufen, Mathilda Beyer und Feenja Hörning standen in der zurückliegenden Saison gleich drei junge Nachwuchstalente auf dem Feld.
Ein erster sportlicher Durchbruch gelang in der Saison 2023/2024. Eine geschlossene Mannschaftsleistung, gepaart mit wenig Verletzungspech und kaum Ausfällen, führte erstmals seit der Neugründung auf einen Podestplatz.
Die darauffolgende Saison 2024/2025 stellte das Team dann vor noch größere Herausforderungen. Eine starke Staffel mit Hochkarätern wie der HSG Werratal, Behringen/Sonnenborn und der SG Schnellmannshausen verlangte den Bleicheröderinnen alles ab. Doch erneut behauptete sich die Mannschaft und erreichte wieder Rang drei. Unvergessen bleibt dabei der letzte Treffer von Tami Rehr, der das Team 1 Sekunde vor Schluss aufs Podium schoss.
2026 folgte schließlich die Krönung: der verdiente Staffelsieg für das Team von Trainer Steve Thomas.
Dabei verlief der Start in die Saison alles andere als ideal. In der Vorbereitung verletzte sich Spielmacherin Lina Freudenberg schwer und fiel für die gesamte Saison aus. Kurz darauf traf es auch Torhüterin Ramona Redemann. Mit nur acht Spielerinnen reiste Bleicherode deshalb zum Auftakt nach Schnellmannshausen. Die knappe Niederlage mit nur einem Tor Unterschied bedeutete gleich zu Beginn zwei verlorene Punkte.
Auch das erste Heimspiel gegen Meiningen verlief zunächst schwierig. Die Gäste aus Südthüringen bestimmten lange das Geschehen, ehe bei Bleicherode kurz vor Schluss endlich der Knoten platzte und die Partie doch noch deutlich gewonnen wurde.
Danach startete die Mannschaft eine beeindruckende Siegesserie. Mit jedem Spiel wuchs der Glaube daran, dass diesmal mehr möglich sein könnte als Platz zwei oder drei. Am Ende wurde dieser Traum Wirklichkeit: Der SV Glückauf Bleicherode holte den Staffelsieg in der Regionsoberliga und machte damit das lange ersehnte Handballwunder perfekt.
Eine jahrelange Reise voller Rückschläge, Zweifel und harter Arbeit fand schließlich ihr verdientes Happy End.





Fotos: Sören Linsel









